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Das Leben Des Weltalls (Teil 2)

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Josef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - Lebensphilosophie

DAS LEBEN DES WELTALLS

Ich benützte den Ausdruck „Schöpfungswerk“. Was ist das, und wie unterscheidet es sich von dem schon beschriebenen Weltall? Am Besten kann es durch ein Erlebnis erläutert werden, das ich einst als Ergänzung zum erweiterten Begreifen hatte:

In meiner Vision stand ich auf unserem Planeten an einem sandigen Meeresstrand. Es war eine sehr helle Nacht und der Himmel voller Sterne. Als ich auf bekannte Sternbilder blickte, begann ich schnell zu wachsen und in die Breite zu gehen. Ich verbreiterte mich ins Weltall. Unser Planet verkleinerte sich unter mir, das ganze Weltall näherte sich, vor mir verdichtete es sich und mir war plötzlich bewusst, dass ich auf die Atome irgendeiner Materie blicke. Weiter verdichtete und verkleinerte sich alles, bis ich feststellte, dass ich auf einen großen Körper schaue, der sich zu einem großen Steinblock verkleinerte, weiter in noch einen kleineren, bis ich in der ausgestreckten Hand einen großen Stein hielt, dann einen kleineren Stein und schließlich nur noch ein Sandkorn. Ich blickte umher und sah, dass ich am sandigen Meeresstrand irgendeines Planeten stehe. Über mir war ein schöner Sternenhimmel und mir wurde bewusst, dass ich in meiner Hand ein Sandkörnchen halte, indem ein Atom ist, dessen Kern ein Elektron umkreist, das der Planet ist, von dem ich kam. Mir wurde bewusst, dass ich mich in einer weiteren Materiensphäre befinde. Ich ließ das Sandkörnchen auf die Erde fallen, blickte empor zum Sternenhimmel und begann erneut zu wachsen. Wieder schwand alles zusammen und verkleinerte sich und am Ende hatte ich wieder ein Sandkörnchen in der Hand, in dessen einem Atom der Planet war, an dessen Meeresstrand das Sandkörnchen lag, in dessen Atom unser Planet war, von dem ich ausgegangen war. Dieses wiederholte sich noch einige Male, ich weiß nicht wie oft, aber durch diesen stetigen Übergang in weitere, nämlich stets größere Sphären, kehrte ich wieder auf unseren Planeten zurück, von welchem ich ursprünglich ausging. Als ich wieder auf meinem Ausgangspunkt am Meeresstrand stand, bückte ich mich und hob das Sandkörnchen auf. Als ich es ansah, fing ich an kleiner zu werden, so, als ob ich in das Körnchen flöge. Dieses vergrößerte sich vor mir immer mehr, war schon so groß wie ein Felsblock, dann wie ein Berg und ich sah, wie sich seine Masse verdünnt, und mir wurde bewusst, dass ich seine Moleküle und danach die Atome erblicke. Ich suchte mir ein Atom aus und flog zu ihm hin. Ich sah seinen Kern, den kleine Teilchen so wie Planeten umkreisten. Mir wurde bewusst, dass es Planeten sind. Einen von denen habe ich mir ausgewählt. Ich verkleinerte mich und flog zu ihm hin. Er hat sich immer vergrößert, bis ich anfing seine Meere und die Festländer zu erkennen. Alles näherte sich, bis ich darauf landete. Ich befand mich auf dem sandigen Meeresstrand. Der Gestalt nach war ich ebenso groß wie auf unserem Planeten. Auch alle Dimensionen waren normal, obwohl ich wusste, dass ich mich bis zum Atom verkleinert hatte. Weiter war mir bewusst, dass ich den umgekehrten Vorgang gegenüber dem Vorherigen vollzogen hatte und dass ich mich jetzt auf einem Wandelstern befinde, der ein Teil des Sandkörnchens ist, das am Meeresstrand unseres Planeten liegt. Ich blickte mich auf dem Planeten um, mein Blick glitt zum Sternenhimmel, ich bückte mich und nahm das Sandkörnchen in meine Hand. Wieder fing ich an mich zu verkleinern, alles um mich herum verdünnte sich und das ganze Erlebnis wiederholte sich. Wieder tauchte ich in niedrigere und niedrigere Materiensphären unter, durchschritt sie, bis ich zurück auf unseren Planeten gelangte, von wo ich ausging. Ganz gleich, ob ich in Richtung nach oben ins Weltall oder in Richtung nach unten ins Atom ging, immer wieder kehrte ich an den Ausgangsort zurück. Mit diesem Erlebnis erkannte ich voll und ganz die Unendlichkeit und Ewigkeit des Schöpfungswerks als etwas sehr Einfaches. So etwas Einfaches, dass ich mich wunderte, warum ich früher nicht die volle Einsicht hatte. Wie ich aber begann, in unsere Wirklichkeit zurückzukehren und sich an mein Gehirn wieder voll einzuschalten, verlor das Begreifen seine Fülle. Als ich wieder das volle Bewusstsein erlangt hatte, begriff ich das ganze Erlebte, aber nicht so völlig wie im Zustand der Loslösung. War ich doch ins menschliche Gehirn zurückgekehrt und dieses kann nur das verhältnismäßige Begreifen umfassen, welches dem Wesen der Entwicklungsart Mensch entspricht. Es blieb nur ein Teil, aber hinter ihm, hinter der Schwelle des oberflächlichen menschlichen Bewusstseins, blieb das starke und volle Begreifen zurück, welches durch das Erahnen der nichtumfassenden Unendlichkeit das mögliche Begreifen fesselt und bestärkt.

Wenn der menschliche Geist bei seinem Denken in unendliche Lebensprobleme fliegt, taucht die Frage auf: Was ist eigentlich das „Endliche und Unendliche, das Begriffene und Unbegreifliche?“

Wir sind gewohnt, als Menschen zu denken. Wir stützen uns in unserem Sein viel zu sehr auf die naheliegendsten Vorgänge, die uns umgeben und unser schicksalhaftes Lebensszenarium sind und die wir als unabstreitbare Realität begreifen. Ich meine damit den Lauf unseres Lebens, mit allen Vorkommnissen, von der Geburt bis zum Tode. Das ist die geläufige menschliche Wahrnehmung, die durch die Entwicklung des Wesens gegeben ist, und dadurch, dass unser Wesen momentan auf der Entwicklungsstufe ist, wann es Mensch ist. Von dieser Sicht aus können wir den gewöhnlichen Lebenslauf mit seinen Geschehnissen beobachten. Sobald wir aber mit unserem Geist diese Grenze der Alltäglichkeit überschreiten, öffnet sich uns ein tieferer Einblick ins Leben und die begrenzte Möglichkeit des geläufigen menschlichen Begreifens wird uns zu eng.

Ich kehre zu meiner Schilderung zurück, bei der ich weitere Sphären der Lebensrealität durchschritt, jener Realität, welche ich „Schöpfungswerk“ nenne. Im tiefen sich Bewusstwerden der ausgedehnten Möglichkeiten des Begreifens verstehe ich das ganze zeitlose und unendliche Geschehen als einen großen Gedanken – ein Teil der ewigen Podstata – abgetrennt von der Podstata, in die erstaunliche Vielfalt zergliedert und in die Handlungselemente und Verbindungen auskristallisiert, welche die Handlung bilden, deren unmerklicher Teil von jedem Wesen wahrgenommen wird, je nach eigener Entwicklungsreife, der Zeit und dem Ort, in welchem sein Lebensschicksal platziert ist.

Alles ist nur Gedanke, es existiert nichts, was er nicht wäre. Ich meine damit jedoch nicht das Produkt des Denkens, das wir als Gedanke bezeichnen. Ich meine damit das gedankliche Wesen des gesamten Daseins. Es ist das zentrale Bewusstsein des gesamten Daseins – und das ist selbstverständlich gedanklicher Wesenheit. Es ist ein großes fertiges Geschehen, in welchem das, wozu wir, dass es war, ist und wird sagen, fertig, fortwährend und jetzt ist. Nichts war und nichts wird sein. Alles ist schon fertig und beständig. Es existiert keine Zeit, sondern nur ein fortwährendes Dauern.

Stellen wir uns vor, dass wir uns für eine Weile vom gegenwärtigen Geschehen loslösen und in der Zeitlosigkeit über das Schöpfungswerk stehenbleiben.

Sämtliches kosmisches Geschehen ist eingestellt und dauert in der Unbeweglichkeit. Vor uns steht das Gebilde „Schöpfungswerk“. Wir beobachten gleichzeitig alle Ären. Wir haben das vor uns, was die Menschen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nennen. Der Lauf der Zeit ist stehen geblieben. Alles währt. Vor uns sind alle Prozesse des Schöpfungswerks (alle Schicksale von allen). Hier ist das ganze Weltall in der glühenden Zerstreuung und auch im zentripetalen Gruppieren und der Erkaltung. Es ist hier die Ära, in der unser Planet entstand und erkaltete, bis in die Ära, wann sich auf ihm das ewige Leben in solcher Form manifestierte, die wir als Menschen kennen und in der wir leben. Wir sehen das erste organische Leben, die ersten mikroskopischen Lebenselementare, weiter schon kompliziertere größere Lebewesen, dann den Übergang des Lebens aus dem Wasser auf das Festland, die ersten Leben der Pflanzenwesen, den Übergang von den Pflanzen zu den Tieren, die Entwicklung der Tiere zu höheren und komplizierteren Wesensformen. Im eigenen Gedanken sehen wir die Entwicklung bis zum ersten Menschen, betrachten seine Historie und sehen weiter auch das, was wir heute Zukunft nennen. Wir sehen weitere Geschehnisse, die weitere Entwicklung des Wesens, die über den Menschen zu höheren und höheren Geschöpfen geht. Wir sehen die Veränderung der Lebensbedingungen auf unserem Planeten, der erkaltet. Wir sehen die Veränderung der Lebensformen, die sich den gegebenen Bedingungen anpassen. Wir sehen das ganze Weltall in seinem pulsierenden Leben. Wir sehen die Atmungsimpulse des Weltalls, welches wieder erglüht, wie sich seine Materie zerstreut, um sich später wieder zu konzentrieren und zu erkalten. Wir sehen den Lauf der Planeten, die manchmal nur Kräfteelemente sind, dann sind sie gasförmig, flüssig und in festem Zustand, dass sich ihre Materie wieder zerstreut und dann zusammenkommt und weiter zerstreut und zusammen kommt. Wir sehen das ganze Weltall atmen. Wir sehen alle historischen schicksalhaften Vorgänge von allem jetzt – aufeinmal – gleichzeitig.

Wir sehen auf einmal nicht nur diese kosmische Sphäre, sondern gleichzeitig auch diejenigen, die für uns höher und niedriger sind (siehe das beschriebene Bild vom Sandkörnchen und den kosmischen Sphären). Alles ist vor uns – unbeweglich, dauernd in seiner Existenz. Alle schicksalhaften Lebensvorgänge währen in ihrem gedanklichen Wesen, darauf vorbereitet, dass sie die entsprechenden Wesen jederzeit wahrzunehmen beginnen und damit als ihre eigene Realität betrachten.

 

 
 
 
 

Josef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - LebensphilosophieJosef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - Lebensphilosophie
Nach dem tschechischen Original Bytí – životní filosofie
Herausgegeber: © Tomáš Pfeiffer – Dimenze 2+2 Praha, Soukenická 21, 110 00, Prag, 2009
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt.
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© Tomáš Pfeiffer, 2009
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ISBN 80–85238–40–3

  

 
     
 
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