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Der Vegetarismus

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Josef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - Lebensphilosophie

DER VEGETARISMUS

Jedes Geschöpf ist geschaffen zu bestimmter Aufnahme von Nahrung. Die Pflanzen nehmen ihre Nahrung hauptsächlich mit Hilfe ihrer Wurzeln aus der Erde auf und die Tiere ernähren sich mit Pflanzen oder verzehren sich selbst untereinander. Die Art und Weise der Nahrungsaufnahme ist im Entwicklungszyklus, den jedes Wesen von Anfang bis zum Ende durchschreitet (Ontogenie), in vier Entwicklungsetappen aufgeteilt. Diese entsprechen den Entwicklungsphasen – so wie sie im Kapitel über die Entwicklung des Wesens beschrieben wurden, und entsprechen voll der Gesetzmäßigkeit der „Schöpferischen Vier“.

Die erste Entwicklungsphase ist durch passive Lebensäußerung und passive Entwicklung gekennzeichnet. Das ist das Leben der Pflanzen. Die Pflanzen nehmen zur Ernährung überwiegend anorganische Materie zu sich. Mit Hilfe von Chlorophyll und Sonnenstrahlen wandeln sie in organische Materie um. Die höher entwickelten Pflanzen nehmen außer anorganischer Materie auch organische – und zwar die toten Körper anderer Pflanzen auf. Aber Sie beschaffen sich ihre Nahrung nicht durch Morden. Erst am Ende der ersten Phase und am Beginn der zweiten erscheinen fleischfressende Pflanzen, die Insekten einfangen und diese verdauen.

Die zweite Entwicklungsphase, die schon durch aktive Äußerung gekennzeichnet ist, aber vorläufig nur durch passive Entwicklung, ist die Domäne der Tiere. Hier macht sich das Verzehren anderer Lebewesen geltend. Insbesondere bei Beginn der zweiten Phase sind es die Raubtiere, die niedrigsten unter den Lebewesen, die für ihre Ernährung andere, schwächere Lebewesen morden und ihr Fleisch genießen. Sie sind die Ausgleicher der Leben und ihre Tätigkeit ist für diese Entwicklungsära sicher richtig, weil natürlich. Ihre Körper sind für das Jagen geeignet, die Eingeweide zum Verdauen von Fleisch, ihre Zähne sind typisch raubtierisch. Es sind Tiere auf der niedrigsten Stufe. Geistig höhere Tiere in der zweiten Entwicklungsphase sind die Pflanzenfresser. Sie ernähren sich mit Pflanzennahrung, zu welcher sie voll angepasst sind, sowohl mit den Verdauungsorganen, wie auch mit den Zähnen, welche typisch für Pflanzenfresser sind. Einige Gattungen ernähren sich meist mit Laub und Gras, andere überwiegend mit Früchten. Zu dieser Gattung gehört auch der Mensch.

Weil es in der zweiten Entwicklungsphase schon die aktive Lebensäußerung gibt, erweitert sich diese Aktivität, die Möglichkeit der Entscheidung wird fortschreitend größer und durch ihren Einfluss treten Fehler in der Einstellung zum Leben auf. Einige Pflanzenfresser beginnen, ihre natürliche Nahrung mit Fleisch zu ergänzen. Anfangs ist es ein Schneckchen oder ein Insekt, welche ihnen zum Opfer fallen, dann vielleicht die toten Körper anderer Lebewesen und manchmal auch ein eingefangenes oder ermordetes Individuum. Solche entarteten Geschöpfe nennt die Wissenschaft „Omnivoren – Allesfresser“.

Das menschliche Denken wird von zwei Prinzipien beeinflusst. Es ist die Vernunft und die Intuition. Diese zwei sollen, so wie alles, im Gleichgewicht sein. Am Anfang waren sie es. Sie waren zwar entwicklungsmäßig schwächer, aber in der Reihe der menschlichen Inkarnationen sollten sie ausgewogen stärker werden. Aber in der Zeit der phylogenetischen Entwicklung (Entwicklung in der Reihe menschlicher Gattung) hat der Mensch einen grundsätzlichen Fehler gemacht, vielleicht aus Unkenntnis oder durch die Einwirkung schlechter religiöser Kulte kostete er das Fleisch. Anfangs mussten es nur geringe Mengen sein, weil er größere nicht vertragen hätte. Schon der Aufbau seines Körpers, des Verdauungstraktes, der Zähne usw. war der des Pflanzenfressers. Der Körper musste sich allmählich gewöhnen, und wie wir in der gegenwärtigen Lebenssituation des Menschen sehen, hat er sich bis heute nicht viel daran gewöhnt. Anfangs aß er vielleicht nur von Zeit zu Zeit und aus Kultusgründen ein Stück des Muskels eines größeren Tieres (vielleicht vom Mammut) und glaubte, dass er damit größere Muskelkraft gewinnt. Dann wieder aß er ein Stück Gehirn und meinte, dass er dadurch vernünftiger werde u.ä. Nach und nach reihte die Menschheit in ihre Nahrung immer mehr und mehr Fleisch ein und durch diesen Fehler wurde hauptsächlich ihr Denken aus dem erforderlichen Gleichgewicht gebracht.

Schon im Alten Testament wird dies in der symbolischen Darstellung der „Vertreibung aus dem Paradies“ beschrieben. Dort sagte der Gott zum Mensch: „Aus dieser Quelle wirst Du für Dein Leben schöpfen, aber aus dieser einen darfst Du nicht, denn sonst wirst Du das Paradies verlassen!“ Die Quellen sind symbolisch durch Bäume dargestellt. Und diese symbolisch überlieferte Prophezeiung erfüllte sich wirklich.

Der Mensch begann aus einer „unnatürlichen Quelle – Fleisch“ zu schöpfen. Er nahm andere Stoffe zu sich, als die, für welche sein Körper gebaut ist. Durch sie wurde das Gehirn unnatürlich beeinflusst. Die Vernunft- Komponente wurde auf Kosten der intuitiven und gefühlsmäßigen bestärkt. Das Denken wurde aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Mensch konnte im Laufe der Zeiten größere und größere Bereiche vernunftmäßig erfassen. Nach und nach lernte er einige materielle Gesetze kennen. Diese begann er untereinander zu kombinieren, schuf die Technik, lernte die Materie immer mehr und mehr kennen, und hörte auf, sich selbst zu verstehen. Er erfand Dinge, die ihn langsam vernichteten, und hatte noch Freude daran. Er steigerte seine materiellen Bedürfnisse, aber dadurch hat er sich immer mehr und mehr arbeitsmäßig belastet. Um sich die Arbeit zu erleichtern, erfand er Maschinen, welche einen unnatürlichen Lärm, unnatürliche Vibrationen verursachten, die Luft verunreinigten und vergifteten, brachten Emissionen, welche Wasser, Erde, Pflanzen, eigentlich die ganze Lebensumwelt vergifteten usw., wie wir es bis in die heutige Zeit beobachten können. Durch falsches Denken gelangte er soweit, dass er freiwillig und bewusst Gifte einnahm, von denen er wusste, dass es Gifte sind. Er kannte ihre Wirkung und trotzdem genoss er sie. Das ist z.B. das Nervengift (Alkohol, Nikotin, Drogen). Damit das Fleisch länger aushielt, begann er es zu räuchern, und somit genoss er Salpeter und Teer, von denen das Fleisch beim Räuchern durchdrungen wird und die die stärksten krebsbildenden Stoffe sind. Ich beabsichtige nicht, hier alle Schadstoffe aufzuzählen, von denen es heute schon unzählige gibt, will auch nicht den heutigen Lebensstil beschreiben, dessen Unsinnigkeit so groß ist, dass es sich jeder leicht vorstellen kann. Ich denke nur über den Beginn des großen Übels nach, welches war und ist der Genuss von Leichen anderer Lebewesen.

Hier geht die biblische Darstellung der „Vertreibung aus dem Paradies“ in Erfüllung. Das ist die Strafe, die den Menschen traf, als er von seinem natürlichen Entwicklungsweg abwich. Er hat sie selbst automatisch vorbereitet. Stellen wir uns einen Menschen vor, der auf schmalen Balken einen Sumpf überschreitet. Er kann nur dorthin treten, wo die Konstruktion des Steges hinführt. Wenn er danebentritt, fällt er in den Schlamm und hat dann viel Mühe, um sich wieder auf die bestimmten Balken hinaufzuziehen.

Der Entwicklungsweg des Wesens ist vorbestimmt und jede Abweichung muss wiedergutgemacht werden. Wenn dies nicht geschieht, dann stirbt die Entwicklungsgattung aus. Das heißt, dass der Entwicklungsweg endet, ins Verderben gerät und die betreffende zoologische Gattung ausstirbt – untergeht. So verschwanden auf unserem Planeten schon viele Gattungen. Der Mensch ist ausgewichen. Er begann, Nahrung aus anderen Quellen anzunehmen. Er bestärkte sein Gehirn, so produzierte er mehr Vernunft als Intuition und begann ins Verderben zu geraten. Wenn er so weitermachen wird, vernichtet er sich selbst.

Blicken wir um uns, schaueen wir uns den Lebensstil und die menschlichen Fehler an. Wir bemerken, dass der Mensch bis zum Halse in diesem vernichtenden Sumpf steckt. Die menschliche Gattung wird weitergehen, oder geht unter und zum Ziel fängt sich eine andere zoologische Gattung an zu entwickeln – vielleicht der Delphin?

Das, was gesagt wurde, ist nur eine Ansicht vom materiellen Standpunkt aus, aber es gibt hier auch noch einen weiteren Gesichtspunkt und das ist die geistige Entwicklung.

Das Wesen strebt von seiner zentripetalen – spezifischen Anschauung zur zentrifugalen. Aus der Einheit sind wir hervorgegangen. Aus ihr trennten sich die Einheiten ab, die sich selbst begriffen, an sich arbeiteten, sich vom Ganzen getrennt fühlten; ihr Denken war zentripetal. In der gegenwärtigen Entwicklungsphase beginnt das Wesen einen zentrifugalen Standpunkt einzunehmen, um sich selbst laufend mehr und mehr als einen Teil des Ganzen und sich selbst so wie alles andere zu begreifen. Das Denken wird zentrifugal. Langsam tritt die Ansicht auf, dass „Ich“ jeder andere bin, dass „Ich“ alles bin. Aus der Podstata sind wir hervorgegangen, in die Podstata kehren wir zurück.

Dann müssen wir begreifen, dass wir der Gesamtheit schaden, dem Schöpfungswerk schaden, also uns selbst schaden. Alle Tiere, die Insekten, die Pflanzen, kurzum alle Lebewesen sind solche Wesen, wie wir es sind. Sie haben die gleiche Sehnsucht nach dem Leben, sie fühlen in gleicher Weise den Schmerz und die Angst vor dem Tode, die Greuel der Sklaverei, die Unfreiheit und Ungerechtigkeit, gerade so wie wir. Und wenn wir ihnen dies in unserer Unwissenheit vorbereiten, verschlechtern wir damit die Schicksalhaftigkeiten im Schöpfungswerk, also in uns selbst. Nicht nur, dass wir aus Lehrgründen in diese, durch den Menschen betroffene Geschöpfe zurück inkarnieren werden, nicht nur, dass wir unseren eigenen Weg der Entwicklung hemmen, aber wir sind selbst auch eine störende Komponente im Schöpfungswerk.

Wer entwicklungsmäßig dorthin kommt, wo er sich schon als ein Teil der Gesamtheit fühlt, gelangt zu der Ansicht, dass er gewiss nicht einen Teil seines Körpers als Nahrung benutzen würde. Wir würden uns bestimmt nicht den Daumen an der Hand abbeißen, um uns zu sättigen.

Es gibt Menschen, die auf diese Fakten aufmerksam gemacht wurden, darüber nachdachten und sagten: „Nun ja, es ist zweifellos so. Wir dachten über dieses Problem nicht nach und ließen uns vom Strom der Gewohnheiten treiben“. Diese ändern sich von diesem Augenblick. Sie treten einen neuen Weg und auch eine andere, vollkommenere Denkweise an.

Es gibt aber auch andere Menschen, welche einen Haufen Ausreden haben, mit der Wahrheit feilschen, oder sogar das Böse verteidigen. Jeder sind wir anders und auf anderer Entwicklungsstufe. Ärgern wir uns nicht über sie. Sie sind noch nicht fähig, mehr zu begreifen und den freiwilligen Weg anzutreten.

 

 
 
 
 

Josef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - LebensphilosophieJosef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - Lebensphilosophie
Nach dem tschechischen Original Bytí – životní filosofie
Herausgegeber: © Tomáš Pfeiffer – Dimenze 2+2 Praha, Soukenická 21, 110 00, Prag, 2009
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© Tomáš Pfeiffer, 2009
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ISBN 80–85238–40–3

  

 
     
 
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