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Der Weg Des Wesens

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Josef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - Lebensphilosophie

DER WEG DES WESENS

Ich wiederhole nur kurz: Jedes Wesen entwickelt sich von der niedrigsten primitiven psychischen Form zu einer immer vollkommeneren und vollkommeneren. Es entwickelt sich seine psychische Komponente, welche die gleichzeitige Entwicklung des materiellen Körpers, auch das Entwickeln und die Konstellation der vitalen Kräfte mit sich hinterherzieht. Diese passen sich der Form und Qualität der psychischen Komponente genau an, also sie entsprechen ihr genau. Sie sind eigentlich ihre Äußerung im entsprechenden Bereich.

Das Wesen, das wir hier verfolgen, entwickelte sich bis zum Menschen. Hier tritt in der Entwicklung ein Umbruch ein. Das menschliche Wesen, als erstes in der Reihe der Lebewesen, erwirbt die Möglichkeit seiner aktiven Entwicklung. Während sich bisher jedes Wesen unter Einwirkung des Gesetzes der Reflexion entwickelte (Karma), ist der Mensch das erste tierische lebendige Geschöpf, bei dem eine Eigenschaft erscheint, die ihm ermöglicht, sich aktiv zu entscheiden und zu versuchen, seinen Entwicklungsweg also, wie man bisher sagt „geistigen Entwicklungsweg“ zu verbessern und zu beschleunigen. Auch wenn der Mensch diese Möglichkeit hat, bleibt selbstverständlich das Gesetz der Reflexion in Gültigkeit, welches die menschlichen Fehler und falschen Schritte auf dem Wege überwacht. In den anfänglichen menschlichen Geburten kann der Mensch diese neue Eigenschaft nur wenig ausnützen, oder er nützt sie überhaupt noch nicht aus. So ungefähr in der Mitte der Geburten in die menschliche Gattung entwickelt sie sich schon so weit, dass sich der Mensch ihr bewusst wird und bemüht sich, sie auch zu verwenden.

Einmal kommt die Zeit, wann der Mensch aufhört sich dafür zu interessieren, was ihm seine Sinne anbieten, er beginnt aber, über die Gesetzmäßigkeiten des Lebens nachzudenken und sucht die Wahrheit (wahrhaftige Antworten auf die Frage nach dem Dasein, der Existenz und dem gesamten Lebenslauf). Er will sich seine Lage im Leben klar machen, die Beziehungen des Lebens zu ihm und seine zum Leben und hauptsächlich die Wesenheit des Lebens, seine Äußerung und den ganzen Sinn des gesamten Daseins.

Von diesem Augenblick an, wann der Mensch zu suchen beginnt, also wann er seinen bewussten aktiven und freiwilligen Weg antritt, können wir diese Etappe des Suchens ungefähr so aufteilen:

a) die Zeit, wann er nur blind glaubt,

b) die Zeit, wann er kritisch wird,

c) die Zeit, wann er sein „Ich glaube und weiß“ ins Gleichgewicht bringt,

d) die Zeit, wann er weiß und sich auf alles Lebende einstimmt.

A) Die Zeit des blinden Glaubens ist das Anfangsstadium auf dem geistigen Wege. Hier lässt sich der Mensch völlig von einer religiösen Richtung lenken, die gerade in der Zeit seines Lebens zur Verfügung steht und gewöhnlich in seiner gegenwärtigen menschlichen Gesellschaft geläufig ist. Gewöhnlich handelt es sich um eine gewisse Modesache. Der Mensch denkt nicht viel nach. Er glaubt blind an die Lehre seiner Kirche trotzdem, dass sie manchmal sehr naiv und durchsichtig unvollkommen ist. Er lässt sich passiv von der Masse treiben und gewöhnlich glaubt er, dass das, was ihm sein Glauben anbietet, das Vollkommenste ist. Blind und ohne Erwägungen passt er sich der Lehre an, und kritiklos erfüllt er ihre Anweisungen oder Verbote.

In den folgenden Geburten, wann sein sich langsam entwickelnder Kritizismus seinen bequemen und blinden Glauben immerhin nur wenigstens schüchtern attackiert, zeigt sich Unzufriedenheit mit dem bisher festen Glauben und der Mensch wendet sich verschiedentlichen Sekten zu, die auf Grund der bisherigen Lehre aufgebaut sind. Seine Neigung zum blinden Glauben dauert an, und er beginnt, zwischen den einzelnen Lehren zu schwanken.

B) Die Zeit, wann der Kritizismus ansteigt.

In dieser Zeit wächst die Unzufriedenheit weiter. Der Mensch beginnt über die Religionslehren mehr nachzudenken, sucht nach weiteren, vergleicht ihre Lehren, konfrontiert sie untereinander und sein Glauben ist schon nicht mehr blind. Er ist nicht mehr mit allem, so wie bisher, zufrieden. Der Glaube überwiegt zwar, aber der Mensch fängt an, mit seinem anwachsenden Bestreben um wahrhaftigeres Erkennen auch den zweiten Pol seines Sinnens anzuwenden und will schon vieles begründen und wissen. Er ist nicht mehr bloß Zuhörer, sondern er wird Sucher.

 

C) Die Zeit, in der der Mensch sein „Ich glaube und weiß“ ausgleicht.

Hier ist der schon erwachsene Mensch bestrebt, die Gesetzmäßigkeiten des Lebens, der Podstata, des Wesens kennen zu lernen und diese Gesetze in seinem Denken anzuwenden. Er ist kritisch gegenüber den Glaubenslehren, die die Menschheit hat. Er ist bestrebt, in ihnen einen gemeinsamen Nenner zu finden, sie von den Ablagerungen der menschlichen Unwissenheit frei zu machen und sie untereinander zu konfrontieren. Er hört auf zu suchen und festigt sich, zwar nicht in seinem Glauben, wie man oft sagt, sondern in „seinem Wissen“.

 

D) Die Zeit, wann der Mensch weiß.

Es ist die Zeit, wann sich der Mensch in seinem geistigen Wissen fest stabilisiert, welches er sich vollkommen und richtig begründet hat. So, wie er weiß, dass 2 + 2 = 4 ist, und nicht sagt, dass er dem glaubt, weil er das weiß und die Gesetzmäßigkeiten der Zahlen kennt, so weiß er auch, dass alles so ist, wie er es weiß, weil alles der Gesetzmäßigkeit unterliegt, die er sich voll begründet hat. Die geistigen Wahrheiten sind für ihn logisch und klar, weil sie gesetzmäßig sind. Es gibt von Allem nur eine Auslegung und die kann nicht anders sein. So wie jede Rechenaufgabe verschiedene Lösungsverfahren haben kann, aber nur ein einziges Resultat, so muss es auch jede geistige Erwägung und jedes geistige Problem haben. Er erkannte und begründete sich die Gesetzmäßigkeit, und deshalb kennt er. In der heutigen Zeit gibt es nur verschwindend wenig so entwickelte und sachkundige Menschen, und dass diese mehr werden, ist der Sinn dieses Buches.

 

Deshalb bemühe ich mich die geistige Gesetzmäßigkeit zu erklären und ich möchte, dass ein jeder (bildlich gesagt – seine Rechenaufgabe) sein „Ich glaube, weil ich weiß“ selbst lösen könnte. Selbstverständlich kann ich nur so viel bieten, wieviel ich weiß. Sobald weitere kommen, die mehr und Besseres anzubieten haben, wird es mir nur Freude bereiten. Es ist doch im Interesse des Ganzen.

Es ist gesagt worden, dass der Mensch in einer gewissen Phase seiner Entwicklung, in seinen Entwicklungsweg den eigenen Willen und Aktivität einbringt. Er hört auf, sich nur passiv zu entwickeln und beginnt, über seine Entwicklung immer mehr selbst zu entscheiden. Es gibt nur einen Weg der Entwicklung – sich selbst ändern!

Was bedeutet das, und wie können wir mit diesem Problem fertig werden? Beachten wir, wie die Entwicklung in der Zeit verläuft, wann sich das Wesen passiv dazu stellt.

Der Mensch ist eine gewisse Qualität, ein gewisses psychisches Gebilde, zusammengesetzt und beeinflusst von Erfahrungen, gewonnen durch die Reihe vergangener Leben. Diese Erfahrungen sind von ihm bewertet und der Mensch hat ihnen gegenüber seine innere Einstellung. Das bildet seine Qualität, genauer gesagt, ein qualitatives und potentielles psychisches Gebilde. Ein solcher ist der Mensch und danach handelt er. Mit seinen Taten zeigt er seine Qualität und das Gesetz der Reflexion überträgt diese Taten aus Lehrgründen in weitere Leben und sucht (gemeinsam mit noch anderen Faktoren) die dementsprechende Schicksalhaftigkeit aus. Es wirkt also auf ein besseres Kenennlernen und Sichbewusstwerden ein. Auf diese Weise veredelt es die psychische Komponente des Menschen, und darum geht es gerade.

Ständig handelt es sich um eine Veränderung an der psychischen Komponente, egal ob sie das Gesetz der Reflexion verursacht oder der dazu gezielte Wille des selbstbewussten Menschen.

Das müssen wir bedenken und auch danach handeln. Das heißt, uns selbst, unsere Ansichten, unsere Einstellung zum Leben und allem Lebenden verändern. Unser Bewusstsein erweitern und verbessern, welches sich in unseren Taten reflektieren muss.

Einen anderen Weg gab es nie und wird es niemals geben.

So, wie das Gesetz der Reflexion fortschreitet, so müssen auch wir fortschreiten. Wir sind uns bewusst, dass wir ein momentanes psychisches (gedankliches) Gebilde sind, dem sich der materielle Körper nur anpasst. Dieses psychische Gebilde kann nur durch die gedankliche Wesenheit genährt und verändert werden. Das Gesetz der Reflexion verändert uns durch ein starkes psychisches Erlebnis. Demnach muss sich unser aktives Streben auch im psychischen (gedanklichen) Bereich abspielen und muss so erlebt werden, dass es durch seine Kraft des Erlebnisses zu unserem Unterbewusstsein gelangt, weil an ihm die erwünschte Veränderung geschaffen werden soll. Aber es geht nicht nur um die Kraft des Erlebnisses, es geht auch um seine Qualität. Das Gesetz der Reflexion lässt schon durch seinen Charakter das Eindringen einer falschen Information ins Unterbewusstsein nicht zu, weil es ins Gleichgewicht ausgleicht. Was immer im Erlebnis des Reflexes falsch oder unvollkommen wäre, gleicht automatisch aus. Auf dem aktiven Wege wird das Gesetz der Reflexion selbstverständlich nicht aufgehoben, nur bei richtigem Denken wird es in Ruhe versetzt, und aus dieser Ruhe wird es ab und zu aufgerüttelt, um die auf dem aktiven Wege befindlichen Mängel zu beseitigen. Aber weil wir selbst durch unsere Aktivität ihm ausweichen wollen, so dass uns sein Wirken nicht aufhält und uns keine unnötigen Schmerzen verursacht, müssen wir uns bemühen um eine richtige und wahrhaftige Bewertung unseres Lebens und der Lebensgesetze. Wir müssen einen festen logischen Standpunkt gegenüber den Gesetzen des Daseins einnehmen und uns aller Fehler und Naivität bewusst werden, die in der gegenwärtigen erreichbaren Lehre zu jeder beliebigen Zeit und an jedem Ort auftauchen. Es ist nötig, von den leeren Phrasen, spekulativer Mutmaßungen, den blinden Glauben und der Bequemlichkeit des kollektiven Denkens der tausend Kirchen und Sekten abzutreten, von denen sich eine von der anderen unterscheiden muss, um das Recht auf ein selbständiges Leben zu haben. Es ist nötig, sich ein logisches und gesetzmäßiges Denken und eine Meinung über das Lebensfaktum zu bilden, kontrolliert durch ein gesundes ausgeglichenes Wissen. Bevor wir uns etwas beliebiges von den philosophischen Wahrheiten zu eigen machen, muss es vollkommen erwogen und durch Gesetzmäßigkeit begründet werden. Nur so können wir eine Basis schaffen, von der wir unseren geistigen Weg zu unserer weiteren, schnelleren und schmerzlosen Entwicklung entfalten.

Hierzu wird gut sich zu erinnern, wie die fundamentalen geistigen Lehren auf die Welt kommen und wie sie von den Menschen durch Nichtbegreifen und Übermittlung beschädigt werden.

Ich erinnere, was hier schon früher geschrieben wurde: auf die Welt wirken vier fundamentale Einflüsse, welche mit ihrer Qualität der fundamentalen Gesetzmäßigkeit der Schöpferischen Vier entsprechen. Jeder von ihnen dauert 6 000 Jahre und hat 3 Teilären zu je 2 000 Jahren, von denen jede noch ihre eigene Wirkung hat. Die Mischung dieser Einflüsse wirkt auf das menschliche Denken und bildet den Charakter seiner Ära.

Unter dieser Wirkung formten sich auch die Lehren der letzten Ären, die uns bis heute bewahrt blieb. Jede hat die Charakteristik ihrer Ära und wirkt auf die heutige gegenwärtige religiöse Anschauung. Die zwei Jahrtausende, von welchen wir gerade weggehen, hatten einen fundamentalen zentripetalen Einfluss und der Einfluss der 2 000-jährigen Teilära hatte den Charakter der Ruhe. Zwei Jahrtausende vor ihm war neben dem fundamentalen zentripetalen Einfluss der Einfluss der Glut – des Feuers, und vor noch weiteren 2 000 Jahren war beim fundamentalen zentripetalen Einfluss noch ein ergänzender, der zentripetale Einfluss, welcher die fundamentale Zentripetalität nur verstärkte. Wenn wir die Historie der Religion einer näheren Untersuchung unterziehen, finden wir diese Einflüsse in allen Kulten.

Vor 6 000 Jahren entstand die jüdische Philosophie beim jüdischen Volk, welches für durchgehende 6 000 Jahren das führende Volk (wie man sagt – das Auserwählte Volk) der bestehenden zentripetalen Philosophie war. Dieser zentripetale Einfluss sollte die Grundlage der Philosophie jener Zeit sein, sollte aber mit den drei übrigen im Gleichgewicht gehalten werden. Nachdem aber die Menschheit als Ganzes noch nicht auf einer solchen Entwicklungshöhe steht, um das Gleichgewicht des Geistes aufrechtzuerhalten, beherrschte dieser Einfluss das ganze Denken und die Einstellung der Menschen und zu seiner Qualität deformierte die gesamte Lehre und Lebensanschauung. So entstand eine stark zentripetale Lehre, und bei den Juden entwickelte sich ein starkes Ego, das alles andere in den Schatten stellte. Es entstand Stolz und die Ansicht, dass nur der Jude der alleinige Weltbeherrscher ist, und alles andere ihm fronen soll.

Diese Ansicht verstärkte sich in der weiteren 2 000-jährigen Ära, die zum zentripetalen Einfluss, den Einfluss des Feuers hatte, welcher Begeisterung, bis Fanatismus trug. Wieder hat es sich überall gezeigt. Der Kult des Gottes der Sonne wurde verstärkt und das zentripetale Denken wurde vielerorts fanatisch.

Die weitere 2 000-jährige Ära, die sich zum zentripetalen Einfluss noch den Einfluss der Ruhe, Kälte zugeordnet hat, hat das Christentum, so wie wir es kennen, gebracht. Zentripetal und ruhig (kalt). Bei der Führung der Kirche die Machtkämpfe, bei den Menschen den blinden Glauben. Anderswo auf der Welt wiederum die Zentripetalität des Menschen, den Kult, der die eigene Person und ihr eigenes Wohlergehen hervorhob. Streben nach eigenen glückseligen Zuständen in zentripetalen, meditativen Positionen und bei verkündeter Verschmelzung mit allem, nur Abziehen von der Ganzheit zu sich selbst. Und doch wurde die Menschheit gewarnt und es wurde ihr ein klarer Einblick in die Wahrheit geboten, aber die Menschheit wollte nicht hören und begreifen.

Es ist eine Regel und ein Lebensgesetz, dass an der Wende der 2 000-jährigen Teilären ein Mensch geboren wird, der auf der entwicklungsmäßig höchstmöglichen menschlichen Stufe steht, oder es ist ein Wesen, höher als das menschliche, das nur zur Menschheit zurückkehrt. Dieser kennt die Lebens- und podstataische Wahrheit und bemüht sich, mit seiner Darbietung das menschliche Denken ins Gleichgewicht zu bringen, und so die bisherigen Fehler und Missverständnisse wiedergutzumachen. Da er sich seine eigene Erkenntnis ins Leben mitbringt und nicht in seine Anschauung aufnimmt, das was die Menschen in den gegenwärtigen religiösen oder religiös-philosophischen Richtungen ihr eigen nennen, unterscheidet er sich von ihnen, und das mögen die Menschen nicht. Sie nehmen ihn nicht an, klammern sich lieber an alte, beschädigte Fundamente und sog. Propheten, die aber in ihrer Unwissenheit nichts anderes tun, als ständig in den alten bestehenden Lehren herumzuwühlen, sie verschiedentlich zu deuten, um sich so von den anderen unterscheiden zu können. Es ist nur ein Herumwühlen in längst schon Aufgewühltem.

In meiner Ruhe hatte ich zu diesem Problem folgende Vision: Ich sah, wie auf die öde Erde eine riesige Schüssel gestellt wurde, neben der die Menschen mit ihrer Größe so wie Ameisen neben unserer Teigschüssel aussahen. Die Schüssel war bis zum Rande mit frischem, warmem und duftendem Brei angefüllt. Der Duft lockte die Menschen an. Diese kamen, stellten am Rande große Leitern auf, stiegen empor zum Rande der Schüssel und aßen den Brei mit Appetit. Andere kamen mit Fuhrwerken an, beluden sie mit dem Brei, den sie zu anderen Leuten an entfernte Orte brachten. Der Brei nahm nicht ab, er kühlte nur langsam aus und am Rande der Schüssel, dort, wohin die Leute mit ihren Schuhen traten, war er mit dem aufgetragenen Dreck verunreinigt. Nach einiger Zeit begann er vom Rande her zu faulen, auf der Oberfläche setzten sich verschiedene Schimmel an, der Brei verdarb. Das geschah während einer langen Zeit. Mittlerweile waren unten Leute geboren und gestorben, Generationen wechselten sich, aber jede stieg zum Rande der Schüssel empor und aß den Brei. Die neuen Generationen wussten schon nichts mehr von dem ursprünglichen, geschmackvollen und frischen Brei, da sie nichts anderes mehr kannten. Plötzlich wurde neben die erste Schüssel eine neue, wieder mit frischem, warmem und schmackhaftem Brei gestellt. Anfangs beguckten sie die Leute nur, dann lehnten einige von denen Leitern an, stiegen zum Rande empor und kosteten. Einige befanden den Brei für gut und wünschenswert, aber derer waren nur wenige. Die Mehrzahl kehrte zur alten Schüssel zurück, weil sie an den faulenden Brei gewöhnt waren und der neue denen nicht schmeckte oder zu ihm Mißtrauen hatten. Aus der ersten aßen doch schon ihre Vorfahren und denen tat es gut, also warum sollten sie ihn tauschen für etwas Neues was sie nicht kennen. Und mittlerweile erwartete den frischen Brei das gleiche Schicksal wie den ersten. Langsam kühlte er aus, die Menschen fingen an langsam zu ihm zu gehen, traten in ihm herum, verunreinigten ihn und dieser begann nach einer Zeit zu verfaulen und verschimmeln, kurzum, das ganze Geschehen wiederholte sich.

So ist es mit der Lehre, die ca. alle 2 000 Jahre von denjenigen auf die Welt gebracht wird, die wissend sind und die ich Mitbringer nenne, zum Unterschied von den Verbreitern, die Prediger, Lehrer und Meister sind und das Mitgebrachte nur weiter verbreiten. Zu dem Anfänglichen sind die Menschen misstrauisch. Sie halten lieber am Alten fest, was sehr schade ist. Gewöhnlich stirbt der Mitbringer früher, bevor die Lehre aufgenommen wird, und dann kann ihn niemand auf nichts mehr fragen und sich wahrheitsgemäß erklären lassen, was er nicht verstanden hat, und ist nur auf die Vermutungen der Verbreiter angewiesen. Diejenigen, die ihm während seines Lebens nahe stehen und die aus seiner Belehrung eine Lehre machen sollen, bewähren sich auch nicht immer. Gewöhnlich gleiten sie in die alten Einflüsse zurück, wo sie sich doch noch bequemer fühlen.

Nehmen wir z.B. das Christentum, welches uns zeitlich und einflussmäßig am nächsten ist. Jesus als Mitbringer der Lehre für die weiteren 2 000 Jahre kannte die Wahrheit und wollte sie der Menschheit überreichen. Er konnte nicht die Menschen als seine Jünger und spätere Meister Verbreiter zu sich nehmen, die nach der alten Philosophie gelehrt wurden. Diese hätten die neue Lehre durch die alte beeinflusst. Er musste einfache Menschen nehmen, denen er alles vom Anfang an erklärte. Dem Apostel Petrus eröffnete er auch die Möglichkeit, die darin bestand, dass Petrus nicht nur schon zu Lebzeiten Jesus´, aber auch nach seinem Tode die Wahrheit über das Dasein in seinen Sinn annehmen wird können, solch eine wie sie in Wirklichkeit ist, ohne dass es ihm, wer auch immer, erläutern müsste. Es ist nicht die Fähigkeit, direkt zu kennen, so wie sie Jesus (Moses, Noah u.a.) besaß, aber es ist die Fähigkeit, sich an den Mitbringer anzubinden und aus ihm zu schöpfen. Nur als er ihm diese Fähigkeit erteilte, machte er ihn bestimmt darauf aufmerksam, dass es nur dann möglich ist, wenn er in seinem Einflussbereich bleibt und sich von anderen Richtungen und deren Einflüssen distanziert. (“Wenn Du in meinem Namen verharrst“, oder irgendwie so. Das „In meinem Namen“ bestimmt die Wesenheit des Einflusses). Diese Fähigkeit sollte er dann weiter übergeben.

Aber nach Jesus´ Tode knüpften die Nachfolger von Petrus die Verbindung zu den alten Einflüssen an und bauten in ihren Intentionen die neue Lehre auf. Deshalb steht das „Neue Testament“ auf den Fundamenten des „Alten Testaments“, welches Jesus in seiner Auslegung zu korrigieren gekommen ist, auf die fehlerhaften und schädlichen Anlagerungen hinzuweisen und sie zu beseitigen. Die Nachfolger des Petrus dadurch, dass sie die Verbindung zerrissen, die richtige Annahme unmöglich gemacht haben und die Möglichkeit die Fähigkeit der direkten Anbindung an Jesus an die Oberhäupter der Kirche weiterzuvermitteln, gebrochen haben. Die Fähigkeit, die die späteren Päpste zu haben glaubten und die sie als „Unfehlbarkeit“ ausgaben.

Das alles ist geschehen, und so hat sich die Menschheit die Möglichkeit eines freiwilligen Weges getrübt und erschwert. Also wie weiter?

Darüber werden wir in einem eigenen Kapitel reden, welches dem praktischen geistigen Weg gewidmet ist.

 

 
 
 
 

Josef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - LebensphilosophieJosef Zezulka - BYTÍ - DAS DASEIN - Lebensphilosophie
Nach dem tschechischen Original Bytí – životní filosofie
Herausgegeber: © Tomáš Pfeiffer – Dimenze 2+2 Praha, Soukenická 21, 110 00, Prag, 2009
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Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf deshalb der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.
© Tomáš Pfeiffer, 2009
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ISBN 80–85238–40–3

  

 
     
 
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